Bis zum Jahr 1100 war Pergament der Schreibstoff des Abendlandes schlechthin, dann erst
begann das Papier des T’sai-Lun seinen Siegeszug auch in Europa.
In Deutschland jedoch sollten noch fast 300 Jahre bis zur ersten Papierherstellung vergehen.
Es war im Jahre 1390, als der Nürnberger Ulman Stromer seine erste Papiermühle in Betrieb nahm.
In dieser Wassermühle stellte man aus einem Brei von Textilabfällen und Hanf, die mittels
Wasserzufuhr verarbeitet wurden, das Papier her. Ulman Stromers Mühle diente der Herstellung
von Packpapier - aber auch Papier zum Beschreiben entstand aus dieser Zusammensetzung.
Damals wurde dieser Papiergrundstoff hoch gehandelt und so ist es denn auch nicht
verwunderlich, daß der Beruf des Kleidersammlers sehr geschätzt war.
Der durfte sein eher rares Material übrigens auch nur in seinem eigenen Revier sammeln.
|
Wichtigster Rohstoff des Papiers war, neben ausgedienten Textilien aus Flachs, der Hanf.
Damit war die chinesische Technik der Papierherstellung aus Hanffasern nach
Deutschland gelangt, wo sie bis ins 19. Jahrhundert das gängige Verfahren blieb.
An dieser Technik und den dazu verwendeten Materialien änderte sich bis dahin wenig.
In Deutschland gab es für die Papierhersteller strenge Monopole und Exportkontrollen,
die durch illegale Ausfuhr ins Ausland durchbrochen wurden.
Wie sich doch die Zeiten ändern!
Der Schmuggel mit dem teuren Gut führte aber bald zu einer akuten Rohstoffknappheit in Deutschland, weshalb die deutschen Papiermacher schließlich auf ein neues Material verfielen. Im Jahr 1850 entdeckte man ein Verfahren, Papier aus Holz zu gewinnen - mit viel Aufwand und umweltschädlichen Rückständen, beispielsweise Chlor. Flachs und Hanf - über Jahrhunderte hinweg konkurrenzlose Grundstoffe des Papiers - verloren an Stellenwert und nicht nur das Prestige des Kleidersammlers, der lange Zeit als angesehener Mann galt, sank von da an auf den Nullpunkt. |
|